Weihnachtsoratorium

Herausragendes gesangliches Ereignis

 

Evangelische Kirche in Gambach war beim Konzert der Harmonie voll besetzt


„Ein frommer Zauber hält mich wieder / anbetend, staunend muss ich stehn…“, diese Zeilen aus einem Weihnachtsgedicht von Theodor Storm, mit dem Berndt Neumann, Vorsitzender des Gesangvereins „Harmonie“ Gambach, das ganze Geschehen eröffnete, stand als Leitstern über einem eindrucksvollen und ungewöhnlichen Chorkonzert am Vorabend des dritten Advents. Die Gambacher Evangelische Kirche, 1703 fertig gestellt und eines der imposantesten Gotteshäuser in der nördlichen Wetterau, war am Samstagabend Schauplatz eines herausragenden gesanglichen Ereignisses.

Vor vollbesetzten Gestühl mit einem ergriffen lauschenden Publikum, darunter als Hausherrin Pfarrerin Dr. Ulrike Eichler, führten die 120 Sängerinnen und Sänger des Gesangvereins „Harmonie“ Gambach und der Sängervereinigung „Liederkranz-Germania“ Ober-Erlenbach zusammen mit dem Streichorchester „Consortium musicum“ unter der Leitung von Konzertmeisterin Elke Wagenhäuser, Beate Anton (Harfe), Reiner Mohr (Orgel) und den Gesangsolisten Shu-Fang Chen (Sopran), Natalia Besler (Mezzosopran), Anne Bierwirt (Alt), Julian Prégardien (Tenor) und Johannes D. Schendel (Bariton) das Weihnachtsoratorium „Oratorio de Noel“ des französischen Komponisten Camille Saint-Saens (1831-1921) auf. Die Gesamtleitung hatte Dirigent und Chorleiter Daniel Sans. Das in lateinischer Sprache gesungene Weihnachtsoratorium war der eigentliche Höhepunkt des Abends, an den sich beide Chöre nach der Begrüßung des Publikums durch den „Harmonie“-Vorsitzenden Neumann im ersten Teil des Programms musikalisch heran arbeiteten. Diese Annäherung geschah mit weltbekannten, zum Teil Jahrhunderte alten Kirchenliedern aus der Advents- und Weihnachtszeit.

Die Sängerinnen und Sänger der „Harmonie“ intonierten „Es ist ein Ros’ entsprungen“ von Michael Praetorius, Daniel Sundermanns „Es kommt ein Schiff geladen“ in der Bearbeitung von Jens Röth und „Ave verum corpus“ von Camille Saint-Saens. Die Sängervereinigung aus Ober-Erlenbach bei Bad-Homburg schloss sich mit drei Liedern an, von denen zwei gerade im englischen Sprachraum beliebte und inbrünstig gesungene Weihnachtslieder sind. „Tochter Zion“ und „Freut euch all“ von Georg Friedrich von Händel. Dazwischen ertönte der Hirten-Choral „Was soll das bedeuten“ von Winfried Siegler.

In den Beifall des Publikums gab es das große Aufstellen, denn nun mischten sich die Aktiven von „Harmonie“ und „Liederkranz-Germania“ im Altarraum, rückten die Orchestermusiker und Solisten ihre Instrumente zurecht, schälten sich die Gesangssolisten aus ihren Mänteln: Alles machte sich bereit für „Oratorio de Noel“, ein Stück, das der am 9. Oktober 1835 in Paris geborene konservativ-katholische Organist und Komponist Camille Saint Saens 1858 im jungen Alter von 23 Jahren in Anlehnung an die Apostelgeschichte von der Geburt Jesu schrieb.

Dirigent Daniel Sans beschrieb das für fünf Solisten und Harfe geschriebene Werk bei einer kurzen Erläuterung als ein volkstümliches Oratorium in einer zurückhaltenden, besinnlich weihnachtlichen Grundstimmung. Einzige Ausnahme sei ein frenetischer, energischer und aufbegehrender Chorsatz mit dem Titel „Quare fremuerunt gentes“, der diese Grundstimmung durchbreche. Dies geschehe mit „fortissimo und über drei Oktaven“ bemerkte Sans und wünschte „viel Vergnügen“, darüber hinaus ein „bewegendes weihnachtliches Erlebnis“. Sans freute sich wie Vereinsvorsitzender über die riesengroße Resonanz, die das weihnachtliche Konzert gefunden hatte. Es mache große Freude, in einem bis auf den letzten Platz gefüllten Gotteshaus zu musizieren: „Dies ist für uns das schönste Geschenk!“ Der außergewöhnlich gute Besuch des Publikums sei der beste Lohn für fast ein ganzes Jahr mühevolle Probenarbeit und riesigem Aufwand mit beiden Chören und den herausragenden Solisten, die sich bereits einen guten Namen in den Metropolen Europas und in Übersee gemacht hätten.

Zu Ende ging das vom Publikum mit lang anhaltenden Beifall für alle Mitwirkenden gefeierte Konzert mit „Stille Nacht, heilige Nacht“. Dem Harmonie-Vorsitzenden blieb noch, allen Mitwirkenden zu danken, allen Anwesenden eine besinnliche Vorweihnachtszeit, ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein gesundes und glückliches neues Jahr zu wünschen.